„Nicht nur in Steinen denken“

WZ Forum - Immobilien:„Nicht nur in Steinen denken“

Quartiere brauchen eine gute Infrastruktur und ein soziales Miteinander.

Neue Bauflächen zu erschließen bedeutet mehr als nur Wohnraum zu schaffen. Das betont beim WZ-Forum Immobilien WZ-Chefredakteur Lothar Leuschen. Erst recht, wenn es um das Thema „Lebenslanges Wohnen im Quartier“ gehe. Denn viele ältere Menschen wollten nicht aus ihren angestammten Wohnungen heraus. Dass es da in Sachen Infrastruktur im Viertel einiger Anstrengungen bedürfe, macht Leuschen am Beispiel Eckbusch deutlich. In diesem in den 70er Jahren entstandenen Viertel im Nordwesten Wuppertals gebe es viele Eigentumswohnungen, deren Besitzer inzwischen im Seniorenalter seien. Der einzige Supermarkt habe vor Jahren das Geschäft geschlossen, zudem sei die einzige Busverbindung zur Innenstadt zwischenzeitig eingestellt worden. Eine fatale Situation für die Eckbuscher war die Folge. Erst eine Initiative der Anwohner habe es erreicht, dass heute wieder ein Nahversorger vor Ort ansässig ist – der CAP-Markt in der Trägerschaft von „proviel“. Einige der Mitarbeiter dort haben psychische Erkrankungen. Durch die Tätigkeit im CAP-Frischemarkt haben sie die Chance zur Teilnahme am Arbeitsleben.

Der Cap-Markt in der Trägerschaft von proviel versorgt die Bewohner von Eckbusch nicht nur mit frischen Lebensmitteln, er ist auch inzwischen eine Art Treffpunkt im Quartier. Archivfoto: Andreas Fischer
Der Cap-Markt in der Trägerschaft von proviel versorgt die Bewohner von Eckbusch nicht nur mit frischen Lebensmitteln, er ist auch inzwischen eine Art Treffpunkt im Quartier. Archivfoto: Andreas Fischer

Stadtplaner Jochen Braun lobt das Projekt: „Der Markt läuft sehr gut, aber nicht, weil er subventioniert wird, sondern weil man sich dort sehr gut an die Situation vor Ort angepasst und das Sortiment auf die Bedürfnisse der Bewohner des Viertels ausgerichtet hat.“

Für Oliver Zier ist Eckbusch ein Hinweis darauf, dass Investoren über die „nackten Steine“ hinaus denken müssen“. Hierzu brauche es viele Partner, die gemeinsam eine funktionierende Infrastruktur aufbauen und erhalten. Es gehe dabei auch um soziale Aspekte wie Schulen und Kitas, genauso wie um Mobilitätslösungen. Außerdem entwickelten sich Viertel unterschiedlich. Deshalb gälte es, ein gutes Miteinander zu fördern. Zier: „Wir bauchen die Mischung in den Quartieren.“ ch
    


Zuschuss für Familien

Der Traum von den eigenen vier Wänden muss nicht am Geld scheitern. Familien mit kleinen Kindern und geringerem Budget können staatliche Zuschüsse erhalten.

Das Baukindergeld soll Familien den Umzug ins Eigenheim erleichtern. Eigenkapital brauchen sie trotzdem . Foto: dpa/Rainer Berg
Das Baukindergeld soll Familien den Umzug ins Eigenheim erleichtern. Eigenkapital brauchen sie trotzdem . Foto: dpa/Rainer Berg

Von Sabine Meuter

Eine Immobilie kaufen oder bauen – das verschlingt trotz der Niedrigzinsen viel Geld. Für junge Familien mit kleinerem oder mittlerem Einkommen ist dies oft finanziell kaum zu stemmen. Kein Wunder, dass in Deutschland die Wohneigentumsquote im Vergleich zu anderen Ländern niedrig ist.

Genau das will die Bundesregierung ändern – und gewährt jungen Familien, die Wohneigentum zur Selbstnutzung erwerben möchten, Baukindergeld. „Das ist ein staatlicher Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss“, sagt Georg-Christopher Broich, Leiter der Rechtsabteilung im Verband Privater Bauherren (VPB).

Das Baukindergeld können Privatpersonen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) online beantragen. „Die Zielgruppe dieser Förderung sind Familien mit minderjährigen Kindern“, erklärt Dörte Dörner, Baukindergeld-Expertin bei der KfW. Auch Alleinerziehende können Baukindergeld beantragen.

Für viele Familien und auch Alleinerziehende geeignet

„Die Förderung liegt bei 1200 Euro pro Jahr je minderjähriges Kind“, erklärt Susanne Kirk-Jenett von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Das Baukindergeld wird zehn Jahre lang gezahlt. Eine Familie mit einem Kind kann also insgesamt 12 000 Euro erhalten, bei zwei Minderjährigen sind es 24 000 Euro, bei drei Kindern 36 000 Euro. Ob Interessierte Anspruch auf Baukindergeld haben, können sie vorab bei der KfW online prüfen, erklärt Kirk-Jenett. Eine Voraussetzung dafür: Familien müssen zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 ihren Kaufvertrag unterzeichnet oder die Baugenehmigung erhalten haben. Dabei ist das Datum des notariellen Kaufvertrags maßgeblich, erklärt Broich.

„Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann bis spätestens 31. Dezember 2023 ein Antrag auf Baukindergeld gestellt werden“, sagt Broich. Es ist aber unzulässig, den Antrag vor dem Einzug in die Immobilie zu stellen. Nach dem Einzug muss man ihn online bei der KfW innerhalb von sechs Monaten ausfüllen und abschicken, erklärt Dörner.

Sobald Antragsteller dann eine Bestätigung erhalten, haben sie drei Monate Zeit, die von der KfW geforderten Nachweise auf dem Portal hochzuladen. Dazu gehören der Grundbuchauszug sowie eine Meldebestätigung, die die Gemeinde ausstellt. „Ausschlaggebend für den Beginn der Sechs-Monats- Frist ist das in der Meldebestätigung angegebene Einzugsdatum“, betont Broich.

Einkommensteuerbescheide dienen als Berechnungsgrundlage

Außerdem muss man die Einkommensteuerbescheide des vorletzten und vorvorletzten Jahres einreichen. Sie dienen als Berechnungsgrundlage. Wer also den Antrag im Jahr 2019 stellt, braucht die Bescheide aus den Jahren 2016 und 2017 – so bildet sich das Durchschnittseinkommen.

Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf für eine Familie mit einem Kind maximal bei 90 000 Euro pro Jahr liegen. Für jedes weitere Kind dürfen 15 000 Euro hinzukommen. Familien mit zwei Kindern dürfen also nicht mehr als 105 000 Euro Einkommen haben, bei drei Kindern liegt die Grenze bei 120 000 Euro. Je mehr Kinder zum Haushalt gehören, umso höher ist der Freibetrag. Zum Haushaltseinkommen zählen die Einkommen beider Eheoder Lebenspartner. „Wichtig ist, das Brutto-Jahreseinkommen anzugeben, also vor Abzug aller Sozialleistungen und Steuern“, erläutert Broich.

Die KfW prüft dann die Unterlagen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, überweist sie den Zuschuss aufs Konto des Antragstellers. Die Nachfrage sei hoch: Innerhalb eines Jahres wurden laut Dörner mehr als 135 000 Anträge gestellt – bislang seien bereits Zuschüsse von rund 2,8 Milliarden Euro gewährt worden.

Wichtig zu wissen: Wer baut oder eine Immobilie erwirbt, benötigt in aller Regel einen Kredit. Experten empfehlen zudem ein Eigenkapital von 20 Prozent, besser 30 Prozent der Gesamtkosten. „Das Baukindergeld gehört aber nicht zu diesen Eigenmitteln“, gibt Kirk-Jenett zu bedenken. Denn das können Familien ja erst beantragen, wenn sie in die Immobilie eingezogen sind. Mit dem Baukindergeld können Familien ihren Immobilienkredit schneller tilgen – dafür sollten sie mit der Bank bereits beim Kreditabschluss die Möglichkeit von Sondertilgungen vereinbaren.

Kritik an der praktischen Umsetzung

Der Verband Privater Bauherren befürwortet grundsätzlich das Baukindergeld – äußert aber auch Kritik: In vielen Bundesländern werde das Baukindergeld durch die Grunderwerbssteuer weitgehend wieder abgegriffen. In NRW wird beispielsweise auf eine 350 000 Euro teure Immobilie 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer fällig. Das sind 22 750 Euro – und damit fast die kompletten 24 000 Euro Baukindergeld, die Familien mit zwei Kindern bekommen können. Aus Sicht des VPB sei es also nötig, die Grunderwerbsteuer bundesweit zu senken.
      


WZ-Forum: Premium-Plattform für Experten

Die Gesprächsrunde beim WZ-Forum sucht in Wuppertal um dem Umland ihresgleichen: Kaum ein anderes Forum bringt solch geballtes Fachwissen an einen Tisch wie die Premium-Plattform der Westdeutschen Zeitung.

Auch beim nunmehr dritten Forum zum Thema Immobilien moderierten wieder Lothar Leuschen, WZ_Chefredakteur und Leiter der Wuppertaler Lokalredaktion sowie José Macias (Rheinland Presse Service) die Runde.

Die Barmenia Versicherungen stellten auch diesmal wieder die Räumlichkeiten zur Verfügung. Ein passender Rahmen gerade für das Thema Immobilienmarkt in Wuppertal, denn von dem repräsentativen Gebäude oberhalb von Barmen und Elberfeld bietet sich dem Besucher ein grandioses Panorama über die bergische Metropole. ch
    


Die Teilnehmer

WZ-Forum Immobilien

Hochinteressante Gespräche, ausgewiesene Experten: die jüngste Runde des WZ-Forums Immobilien in den Räumen der Barmenia Versicherungen. Foto: Alois Müller
Hochinteressante Gespräche, ausgewiesene Experten: die jüngste Runde des WZ-Forums Immobilien in den Räumen der Barmenia Versicherungen. Foto: Alois Müller

Oliver Zier, Geschäftsführer Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH Wuppertal (GWG)

Dirk Wagner, Leiter Immobilienvermittlung Sparkasse Wuppertal

Karl-Heinz Schattschneider, Leiter Bauen und Wohnen Sparkasse Wuppertal

Jochen Braun, Ressortleiter Bauen und Wohnen der Stadt Wuppertal

Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land

Ralph Robert Dahlmanns, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Kanzlei Hartmann Dahlmanns Jansen Rechtsanwälte

Christian Baierl, Vorstand renaissance Immobilien und Beteiligungen Aktiengesellschaft

Naja-Luisa Sophie Smolla, Chiefmarketing Officer renaissance Immobilien und Beteiligungen Aktiengesellschaft

Michael Jaroch, Geschäftsführer WohnträumeImmobilienvertrieb

Sebastian Haug, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, D’Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte

Jörg Thomas-Miß, Abteilungsleiter Immobilien und Finanzierung bei den Barmenia Versicherungen

Udo Reinhardt, Abteilung technische Immobilienbetreuung, Barmenia Versicherungen