„Es wird spannend, hier zu investieren“

WZ-Forum Immobilien

„Es wird spannend, hier zu investieren“

Ressort Bauen und Wohnen der Stadt Wuppertal: Trotz schwieriger Topografie, altem Gewerbe und vieler maroder Wohnhäuser: Steigende Preise bringen Bewegung in den Wuppertaler Wohnungsmarkt, berichtet Jochen Braun vom städtischen Ressort Bauen und Wohnen.

Im Wuppertaler Wohnungsmarkt tut sich was: Steigende Preise wecken Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung

Eine „dramatische Preissteigerung“ erkennt Jochen Braun, Ressortleiter Bauen und Wohnen der Stadt Wuppertal, derzeit auf dem lokalen Markt. „Was vorher mittelpreisig war, steigt jetzt in den hochpreisigen Bereich. Und was zuvor günstig war, verteuert sich ebenfalls. Es wird eng auf dem Markt.“  

Denn aufgrund der speziellen Topografie in Wuppertal gebe es nicht viele Flächen, die für eine Neubebauung in Frage kämen. „Wir sind hier leider nicht im flachen Münsterland, wo eine Bebauung vergleichsweise einfach umsetzbar ist.“ Darüber hinaus lägen viele mögliche Flächen in der Stadt eng an bereits besiedelten Bereichen. Und das führe nicht selten zu Anwohnerprotesten gegen Neubauprojekte, wie aktuell am August-Jung-Weg.

Auch das schon längst vom Rat beschlossene 120-Hektar-Programm, bei dem stadtweit Grundstücke in zusammengenommen eben dieser Größenordnung hinsichtlich einer möglichen Wohnbebauung überprüft werden sollen, habe sich inzwischen als sehr ambitioniert erwiesen. „Oft sind die bebaubaren Flächen dann am Ende doch erheblich kleiner, weil in der detaillierten Planung viele Belange zu berücksichtigen sind.“

Zukunftsweisende Stadtplanung nicht ohne Umweltaspekte   

Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land
Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land

Nicht zuletzt der Starkregen im Sommer mit dem anschließenden Hochwasser habe zudem gezeigt, dass bei der Neuerschließung von Bauflächen in Wuppertal auch Umweltaspekte nicht außer Acht gelassen werden dürften. „Wuppertal will Modellkommune in Sachen Schwammstadt sein“, berichtet Braun. „Und es gibt ja bereits auch viele begrünte Dächer, Rigolen und zum Beispiel Regenrückhaltebecken, um die Niederschlagsmengen zurückzuhalten, was auch sehr löblich ist. Aber es stellt sich doch die Frage, wie man neue Siedlungsflächen gewinnen kann, wenn weitere Versiegelung vermieden werden soll.“ Auch dürften bei einer zukunftsweisenden Stadtplanung angesichts des Klimawandels die sogenannten Luftleitbahnen, also jene Korridore, die für eine genügende Belüftung der immer wärmer werdenden Innenstadtbereiche sorgen, nicht außer Acht gelassen werden. „All diese Umweltaspekte, und das sind nur zwei Beispiele, machen es für den Wuppertaler Wohnungsmarkt nicht einfacher“, stellt Braun fest.

Wovon die Stadt indes künftig profitieren könne, das sei der Bestand an alten Gewerbeimmobilien. Was noch vor Jahren Stadtplaner vielfach vor Probleme gestellt habe – das Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen – biete nun neue Perspektiven: „Wir können diese Areale umwandeln, oft im Sinne einer Sanierung im Bestand. Neuansiedlungen gewerblicher Art sind heute oft weitaus umwelt- und wohnverträglicher als früher, denn es handelt sich vielfach um Bürodienstleistungen oder Unternehmen der IT-Branche.“ Oder aber alte Gewerbeareale werden abgerissen und einer Wohnbebauung zugeführt oder noch besser: im Bestand umgenutzt. Als Beispiel nennt Braun die Spitzenstraße in Langerfeld, wo eine Fläche an der Bahnlinie in Richtung Wohnen entwickelt werden soll. Bereits planerisch erfolgreich umgesetzt sei dies am Heubruch, ebenfalls ein altes Bahnareal in Barmen nahe der Nordbahntrasse, wo nach einem städtebaulichen Wettbewerb ein ganzes Gebiet neu entwickelt wird. Dort entsteht eine Mischung aus Geschosswohnungsbauten und urbanen Stadthaustypen.

Ebenfalls einen städtebaulichen Wettbewerb hat es beim sogenannten Barmer Bogen auf dem Gelände eines alten Güterbahnhofs hinter dem Barmer Bahnhof gegeben. „Hier ist eine Bauleitplanung in Aussicht“, berichtet Braun. Allerdings dauere es immer noch sehr lange, bis aus solchen Vorhaben konkrete Bauprojekte würden. „Da sind halt jeweils viele Aspekte und Belange zu untersuchen und zu berücksichtigen.“ Die neue Bundesregierung wolle hier zwar ansetzen. „Aber es handelt sich oft um EU-Recht, das nun mal beachtet werden muss.“

Aussicht auf höhere Mieten

Einen weiteren Aspekt stellen der ältere Wohnbestand aus den 50er- und 60er-Jahren oder Teile der Gründerzeitbebauung dar. Hier gibt es nach Brauns Angaben aktuell viel Leerstand, da diese Gebäude in ihrer Qualität zum Teil sehr mangelhaft seien. Doch gerate der Markt jetzt in Bewegung – angesichts des Wohnungsmangels nehme der Druck auf die Eigentümer zu. „Viele Besitzer haben bislang Investitionen vermieden, da sie keine Aussicht auf adäquate Mieten hatten. Vor dem Hintergrund steigender Preise und damit verbunden höherer Mieten sowie der Tatsache, dass es zunehmend Unternehmen gibt, die sich auf die Sanierung solcher Wohnungen spezialisiert haben, werden diese Immobilien nun für ihre Besitzer attraktiver. Da gibt es noch Luft nach oben, denn es wird spannend, hier zu investieren“, ist Braun überzeugt. „Unsere Stadt kann durchaus selbstbewusst sein. Wir werden in Wuppertal auf jeden Fall eine Qualitätssteigerung bekommen.“