Kreditnachfrage ist nach wie vor hoch 

WZ-Forum Immobilien

Kreditnachfrage ist nach wie vor hoch 

Volksbank im Bergischen Land: Die Immobilienfinanzierung bleibt wohl auf absehbare Zeit günstig. Entsprechend fragen Kaufinteressenten Darlehen ungebrochen nach. Eng bleibt es auf der Angebotsseite, und die Preise sind gestiegen.

Der Bedarf an Baufinanzierungsmitteln bleibt weiter hoch, sowohl für Neubauten (hier das neu entwickelte Wohngebiet am Heubruch in Wuppertal) und den Kauf von Bestandsimmobilien als auch für Sanierungen.

Das Thema Immobilien steht bei vielen Menschen in der Region weiter stark im Fokus“, stellt Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land, fest. Anleger bekommen ja keine Sparzinsen mehr, andererseits sind Kreditzinsen ebenfalls niedrig. „Getrieben durch die günstige Zinssituation und fehlende Anlagemöglichkeiten als Alternative sind selbstgenutzte Immobilien, aber auch Projekt- und Bauträgerfinanzierungen, gefragt“, sagt Otto. Das spürt die Volksbank: Die Volumina abgeschlossener Darlehensverträge übersteigen die Vorjahreszahlen.

Allerdings wird es auf der Angebotsseite knapp. Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen kommen kaum noch auf den Markt und wechseln unter der Hand den Besitzer – zu immer weiter steigenden Preisen. Bei Neubauprojekten verteuern Auflagen zum Beispiel im Brandschutz oder bei der Energieeffizienz die Preise. „Bauen ist relativ teuer trotz der günstigen Zinssituation“, merkt Otto an. Er kritisiert zudem, dass im sozialen Wohnungsbau sehr wenig Bewegung sei und so die Wohnsituation für Menschen mit geringen Einkommen schwieriger werde.

Andreas Otto erwartet nicht, dass sich die Zinssituation in absehbarer Zeit deutlich ändern wird. Der Bedarf an Baufinanzierungsmitteln bleibe weiter hoch, sowohl für Neubauten und den Kauf von Bestandsimmobilien als auch für Sanierungen, befeuert durch Ankündigungen weiterer Förderprogramme für die Erneuerung von Dächern und Heizungen sowie für Solaranlagen. Darlehensnehmer erhalten zinsgünstige Kredite und Zuschüsse über die Förderbanken KfW und NRW-Bank. „Das wird noch lukrativer“, ist Otto überzeugt. „Denn wir werden die Energiewende nur schaffen, wenn Maßnahmen dezentral umgesetzt werden.“


Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land
Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land

„Die Suche nach einer Immobilie ist in unserer Region schwieriger geworden: Baugebiete sind rar, Bestandsimmobilien kaum auf dem Markt, und das Preisgefälle in der Region ist hoch. Trotzdem lohnt es sich, den Traum vom eigenen Zuhause weiter zu verfolgen. Die Finanzierungssituation ist günstig, viele auch Jüngere bringen Eigenkapital mit – und der Reiz des Bergischen Landes als attraktive Wohngegend ist für mich ungebrochen.“


Älter werdend Menschen wollen ihren Wohnraum verkleinern

Dazu kommt ein Generationswechsel. Geburtenstarke Jahrgänge gehen auf den Ruhestand zu. Viele älter werdende Menschen wollen ihren Wohnraum verkleinern. Der Markt wird sich dadurch verändern. Wohnraum wird frei werden, die Nachfrage nach passenden Wohnungen mit altersgerechter Ausstattung wird zunehmen. Das Preisniveau insgesamt wird hoch bleiben, prognostiziert der Experte der Volksbank, deren Geschäftsgebiet Wuppertal und elf umliegende Städte umfasst. „Unter 3000 Euro pro Quadratmeter ist kaum etwas im Neubausegment zu bekommen. Es geht eher bis 4000 Euro und darüber.“

Besonders gefragt seien Wuppertal und Solingen-Ohligs, die von der guten Verkehrsanbindung an die Metropolen profitieren. Auch in Haan und Hilden seien Bauen und Wohnen dadurch relativ teuer. In Remscheid sei die Bautätigkeit deutlich geringer. Weitere bemerkenswerte Beobachtung: Die Kreditnehmer sind im Schnitt jünger als früher. „Junge Menschen denken schon früh an Eigentum“, erklärt Otto. Während man früher erst zur Miete wohnte und eine Familie gründete, denken die Menschen heute schon vor der Familienphase an einen Immobilienkauf. Viele verdienen relativ gut, bekommen Geld von Eltern oder erben etwas. Damit verfügen sie auch über Eigenkapital.

Dieser Punkt ist Otto bei der Finanzierung wichtig. „Wir achten darauf, dass Eigenkapital vorhanden ist.“ Mit zehn, besser 20 Prozent könne man eine nachhaltige Finanzierung darstellen. „Der Zins- und Tilgungsdienst sollte gesichert sein, auch wenn Kinder kommen oder die Zinsen doch steigen würden.“ Auch wenn dies derzeit nicht absehbar ist, empfiehlt Otto eine lange Zinsbindung, mindestens zehn Jahre. Die Möglichkeiten reichen sogar bis zur Volltilgung mit einer Bindung von 25 Jahren und länger. Ein weiterer Gedankenanstoß: „Wenn die Finanzierung in zwei oder drei Jahren ausläuft, kann man auch an ein Forward-Darlehen denken und sich die derzeit günstigen Konditionen gegen einen kleinen Aufschlag für die Zukunft sichern.“ Darlehensnehmer hätten damit eine klare Kalkulation.

Wichtig sei bei einem so wichtigen Vorhaben die persönliche Beratung, sagt Otto. Immobilieninteressenten sehen das offenbar auch so. „Wir stellen nicht fest, dass Kreditnehmer Verträge ausschließlich übers Internet abschließen.“ In einem Beratungsgespräch könne man die Finanzierung auf die persönliche Situation ausrichten und zusammen mit Bausteinen wie zum Beispiel Fördermittel zu einem Paket bündeln. Außerdem rät der Finanzexperte zu einer Absicherung zumindest des Haupternährers etwa mit einer Risiko-Lebensversicherung. „Wer das nicht tut, handelt fahrlässig“, warnt Otto.

Die Finanzierungsmodelle sind individuell verschieden und so unterschiedlich wie die Ausgangslagen der Kunden. Es gibt Möglichkeiten, flexible Tilgungen zu vereinbaren oder auch Modelle von Partnerinstituten einzubeziehen. „Wir arbeiten mit zwei Hypothekenbanken und weiteren Partnern zusammen“, erklärt Otto. Auch könne man Mittelzuflüsse zum Beispiel aus einer Lebensversicherung einplanen, wenn sie fällig wird.

Die Baufinanzierungs-Experten der Volksbank im Bergischen Land zählen mindestens 1000 Abschlüsse pro Jahr, das Volumen hat rund 100 Millionen Euro erreicht. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir das Kreditgeschäft weiter steigern werden“, sagt Otto. Die Märkte seien weiter intakt und die Preise stabil. „In guten Lagen werden sie auch nicht sinken.“

Eine Immobilienblase sei indes nicht abzusehen. Sollte die Inflation weiterlaufen, werde das den Immobilienmarkt weiter befördern, da die Menschen in Immobilien eine höhere Wertstabilität sehen. „Die Frage wird eher sein: Wie schaffen wir günstigen Wohnraum?“, merkt Otto an. Frei finanziert sei das aufgrund der Auflagen in allen Segmenten immer schwieriger.