Der Markt ist in Bewegung geraten

WZ Forum Immobilien

Der Markt ist in Bewegung geraten

Expertenrunde: Fehlende Bauflächen, niedrige Zinsen, steigende Preise und wachsende Nachfrage von außerhalb: Von Stillstand kann am Wuppertaler Immobilienmarkt längst keine Rede mehr sein. Die Experten des WZ-Forums Immobilien fordern neue Impulse.

Die Zeiten der erschwinglichen Preise fürs Wohnen sind vorbei. Auch in Wuppertal ziehen die Preise nun kräftig an. Foto: Getty Images/Teka77

Kaum eine Veranstaltung, ein öffentliches Event, das in diesem Jahr nicht wegen der Pandemie ausgefallen wäre. Die Hygiene- und Abstandsregeln erfordern es noch immer, dass der persönliche Kontakt, das direkte Aufeinandertreffen von Menschen vermieden wird. Diesen Vorgaben zur Gesundheitsvorsorge mussten sich auch die Organisatoren des nunmehr vierten WZ-Forums zum Thema Immobilien beugen. Dabei hat sich das WZ-Forum längst als gefragte Veranstaltung etabliert, die ihresgleichen in der Region sucht: Ein runder Tisch, an dem sich zahlreiche Sachverständige zu einem kommunal wie auch gesellschaftspolitisch relevanten Thema nicht nur austauschen, sondern gemeinsam nach neuen Wegen und Visionen suchen, findet sich sonst kaum, weder in der Stadt noch im Umland. So wird das WZ-Forum inzwischen auch als wichtiger Impulsgeber auf lokaler wie regionaler Ebene geschätzt.

Gastgeber war in den zurückliegenden Jahren stets die Barmenia Versicherungen, in deren großzügigen Räumen der Hauptverwaltung an der Barmenia-Allee – mit beeindruckendem Panorama-Blick über Wuppertal – die Expertenrunde jeweils zusammentraf.

Diesmal war dies alles natürlich nicht möglich – doch kein Grund, das Forum deswegen nicht stattfinden zu lassen. So wurde eben ein virtuelles Forum abgehalten, bei dem die Themen aber nicht minder spannend waren, und der Gedankenaustausch so anregend wie in den Vorjahren geriet.

Das WZ-Forum Immobilien – hier die Teilnehmer von 2018 und 2019 – ist inzwischen als Expertenrunde etabliert. Im Corona-Jahr 2020 blieb der Konferenztisch leer. Die virtuelle Runde bot dennoch einen regen Austausch. Fotos: Alois Müller (2), Getty Images/cerro_photography
Das WZ-Forum Immobilien – hier die Teilnehmer von 2018 und 2019 – ist inzwischen als Expertenrunde etabliert. Im Corona-Jahr 2020 blieb der Konferenztisch leer. Die virtuelle Runde bot dennoch einen regen Austausch. Fotos: Alois Müller (2), Getty Images/cerro_photography

 
Denn selten stand das Thema Immobilienmarkt Wuppertal und Region so weit oben auf der Agenda wie gerade aktuell. Vor allem die dauerhaft niedrigen Zinsen – darin stimmt die Runde überein – hat die Situation nachhaltig in Bewegung gebracht. So wird in Wuppertal und dem Umland eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien registriert. Die Banken vermelden entsprechend anhaltendes Interesse an Baufinanzierung. „Der Markt boomt“, so die Einschätzung der Forumsteilnehmer.

Krisenfeste Kapitalanlage in der Zeit des billigen Geldes

Dabei fokussiert sich das Interesse der Anleger wie auch der Individualpersonen nach wie vor auf die Klassiker: Einfamilienhäuser, ob freistehend, als Doppelhaushälfte oder Reihenhaus für den Eigenbedarf. Und bei den Senioren auf Eigentumswohnungen, möglichst barrierefrei und in Sachen Verkehr und Nahversorgung gut angebunden. Mehrfamilienhäuser dienen vorwiegend als krisenfeste Kapitalanlage. Gerade jetzt in der Zeit des billigen Geldes.

Dabei wird auch beim vierten WZ-Forum Immobilien einmal mehr deutlich, dass Wuppertal hier unter einem dauerhaften Dilemma leidet: Es fehlt das Angebot. Zu wenige Flächen werden erschlossen, was nicht selten von offizieller Seite mit der schwierigen Topografie der bergischen Metropole begründet wird.

Angesichts dessen mahnen die Experten des WZ-Forums eindringlich: So kann es nicht weitergehen. Denn der Wuppertaler Markt gerät nun durch immer größer werdende Nachfrage von außen unter Druck, der Radius der Interessenten an Wuppertaler Immobilen hat sich enorm erweitert. Anfragen, das stellen die Immobilienexperten fest, kommen zunehmend auch aus den umliegenden Metropolen, unter anderem der Rheinschiene. Der Grund: Wohnraum ist dort für viele meist unerschwinglich geworden. Sogar weite Pendlerstrecken würden für ein halbwegs erschwingliches Einfamilienhaus von einer Klientel junger, beruflich etablierter Familien in Kauf genommen.

Die Forumsteilnehmer befürchten daher einen Verdrängungswettbewerb zuungunsten der angestammten Wuppertaler Bevölkerung. In der Folge konstatieren sie auch für Wuppertal zunehmend anziehende Preise bei gleichzeitig steigendem Bedarf. Das Problem, dass die Stadt dieser wachsenden Nachfrage nicht gerecht werden kann, wird dringlicher.

Was ist die Alternative? Abriss, so lautet eine der Forderungen der Runde: In die Jahre gekommene, energiefressende Häuser aus den 50er- bis 70er-Jahren, die auch längst nicht mehr dem Ideal eines modernen Stadtbildes entsprechen, sollten Platz machen für moderne, energetisch wegweisende und nachhaltige Neubauten. Denn die würden zunehmend nachgefragt.

Appell zur Sanierung des historischen Altbaubestandes

Abriss ist aber, das zeigt das vierte WZ-Forum ebenfalls, gerade für Wuppertal nur sehr bedingt eine Option. Und höchstens, was jene Nachkriegsbebauung betrifft, die zum Teil aufgrund der großen Wohnungsnot in der zerstörten Stadt in Rekordtempo hochgezogen wurde und keinen hohen Standard aufweist.

Denn die Stadt hat ein Pfund, das sie nun so langsam wieder neu zu entdecken beginnt und mit dem sie wuchern sollte: ihren historischen Altbaubestand. Wunderschöne Häuser mit aufwendig gestalteten Fassaden und von hoher Ästhetik aus der Gründerzeit, die in dieser Fülle und Dichte nirgendwo sonst in Deutschland zu finden sind. Nicht nur national, sogar international richtet sich der Blick aktuell auf diese Immobilien, wird berichtet. Die können naturgemäß zwar nicht alle nach modernen Standards barrierefrei saniert werden. Aber die Nachfrage nach diesen historischen Häusern steige dennoch stetig. Dabei spricht nicht nur die Schönheit dieser Bauten für ihren unbedingten Erhalt: Die Modernisierung im Bestand sei erheblich klimafreundlicher als jeder noch so energetische und nachhaltig konzipierte Neubau, wie beim WZ-Forum ausdrücklich betont wird. Von Christine Zacharias