Wenn niemand Abschied nimmt

Abschied nehmen:Wenn niemand Abschied nimmt

Immer wieder passiert es, dass Menschen sterben und es keine Angehörigen gibt, die sich um die Bestattung kümmern. In solchen Fällen springt das Ordnungsamt ein.

Friedhofsgärtnerei Werner Busch

In Deutschland gilt die Bestattungspflicht. Aber was ist, wenn es niemanden gibt, der sich um die Beerdigung kümmern kann? Wenn der Verstorbene alleine lebte, keine sozialen Kontakte und keine Verwandten hatte? Wenn der Mensch so gestorben ist, wie er am Ende gelebt hat: unbemerkt, einsam?

Diese Fälle landen auf dem Schreibtisch von Godehard Derendorf und Stefanie Heimes. 202 waren es im vergangenen Jahr. Gemeldet wurden die Toten aus Pflege- und Seniorenheimen, Krankenhäusern oder von der Polizei. Die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamts der Stadt Krefeld beginnen dann zu recherchieren. Zwei Dinge stehen bei ihrer akribischen Suche im Vordergrund.

„Der Verstorbene soll eine würdige Bestattung bekommen, und wir versuchen, Bestattungspflichtige zu finden, die die Bestattung veranlassen und so dem Totenfürsorgerecht nachkommen können“, sagt Godehard Derendorf. Das Erbe können Kinder, Enkel, Geschwister oder Lebenspartner ausschlagen, nicht aber die Durchführung der Bestattung. Selbst dann nicht, wenn sie Jahrzehnte keinen Kontakt mit dem Verstorbenen hatten oder zerstritten waren.

Die Reihenfolge des Verwandtschaftsgrads ist laut Paragraf 8 des Bestattungsgesetzes folgende: Erst kommen die Ehe-, dann die Lebenspartner, dann die volljährigen Kinder, die Eltern, die volljährigen Geschwister, die Großeltern und zum Schluss die volljährigen Enkelkinder. Bei der Recherche helfen Geburts- und Heiratsurkunden sowie Familienbücher. Das Team vom Ordnungsamt forscht bei Einwohnermeldeämtern und Standesämtern nach.

Die Suche ist ein Wettlauf mit der Zeit. Parallel zur Verwandtensuche hat die Behörde laut Gesetz zehn Tage Zeit, eine Erdbestattung oder Einäscherung zu organisieren. Die Totenasche muss innerhalb von sechs Wochen beigesetzt werden. Werden keine Bestattungspflichtigen gefunden, findet eine Beerdigung „von Amts wegen“ statt.

Wenn niemand gefunden wurde, der für die Bestattung zahlt, bedeutet das auch, dass es keine nahen Verwandten gibt, die um die Toten trauern. Die letzten Menschen, die sich kümmern, sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Sie sind verpflichtet, eine einfache und ortsübliche Beerdigung in die Wege zu leiten.

Die Leistungen für Bestattungen von Amts wegen werden alle zwei Jahre ausgeschrieben, Bestattungsunternehmen können sich bewerben, das preisgünstigste erhält den Zuschlag.

Es gibt keine unbegleitete Beisetzung

Aktuell ist das das Institut Funeralis. „Die Kooperation mit dem Bestattungsunternehmen Johannes Zelz erfolgt zur vollsten Zufriedenheit“, sagt Derendorf. „Die sehr engagierte Mitarbeiterin Franziska Stauch ist bei den Bestattungen auf dem Hauptfriedhof anwesend und hält eine kleine Rede.

Sollten keine Verwandten, Freunde oder Kollegen an der Beisetzung teilnehmen, hält der Krefelder Begräbnisbund – Schirmherr ist Oberbürgermeister Frank Meyer – eine entsprechende Trauerrede. So gibt es keine unbegleitete Beisetzung.“

Die Bestattungen sind trotz aller Schlichtheit würdevoll. Sie entsprechen damit dem Artikel I des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Auch die einsamsten Toten werden in Krefeld mit Respekt auf ihrem letzten Weg begleitet. Ein Rasengrab ohne Grabschmuck oder ein Urnenrasenfeld mit zentralem Gedenkstein ohne Namen sind dann die letzte Station.
  

KOSTEN

Eine Regelbestattung kostet in Krefeld rund 3000 Euro. Davon fallen allein 2200 Euro für Friedhofsgebühren an.

Rente für volljährige Waisen

Wenn ein oder beide Elternteile gestorben sind, erhalten Kinder grundsätzlich bis zum 18. Geburtstag eine monatliche Waisenrente. Diesen Anspruch haben sie gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung.

Aber auch wenn sie volljährig sind, können sie unter bestimmten Umständen die Hinterbliebenenrente bekommen. Darauf wies die Deutsche Rentenversicherung Bund kürzlich hin.

Das gilt, wenn sie noch eine Schul- oder Berufsausbildung absolvieren, sich zum Beispiel für ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr entscheiden oder sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren. Die Waisenrente zahlt die Rentenversicherung maximal bis zum vollendeten 27. Lebensjahr.

Die Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, etwa zwischen Abitur und Studium, darf höchstens vier Kalendermonate betragen.

Dauert der Übergang länger, fällt die Waisenrente zwischenzeitlich weg.