Großer Bruder

Fahrspaß

Großer Bruder

Der Mini Cooper S ist als Fünftürer schon längst kein Stadtfloh mehr. Die Modellpflege bringt nicht nur optisch, sondern vor allem auch beim Fahrwerk Verbesserungen.

Fahrbericht Mini Cooper S 5-Türer Mj.22

Seit Mini Cooper eine BMW-Tochter ist, hat sich die britische Kultmarke sukzessive von ihren Wurzeln entfernt. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, da moderne Automobile aufgrund der Technik und des gestiegenen Komfortanspruchs der Kunden nur wenig mit den Flitzern der 1960er Jahre gemein haben. Doch seit BMW die nächste Stufe der Gleichteilestrategie gezündet hat und die UKL-Architektur unter die britischen Karossen schnallt, haben die Minis noch einmal in den Abmessungen zugelegt. Der fünftürige Cooper S, mit dem wir unterwegs sind, ist 4,04 Meter lang und 1.280 Kilogramm schwer. Der Mini Cooper S des Jahres 1963/64 bringt es auf 670 Kilogramm und 3,06 Meter.

All diese Größenvorteile ändern nichts an der Tatsache, dass im modernen Mini Cooper im Fond keine opulenten Platzverhältnisse herrschen. Vor allem, wenn man die Rückbanklehne in die Cargo-Position bewegt, um das Maximum aus dem Kofferraumvolumen herauszuholen. Die senkrechte Lehne will man aber seinem ärgsten Feind nicht zumuten, falls der hinten Platz nehmen muss. Dann fasst das Gepäckabteil 278 Liter; legt man die Lehnen komplett um, werden maximal 941 Liter daraus. Aber bei einem Mini nimmt man ohnehin nur im Notfall in der zweiten Reihe Platz. Der Chefsessel ist natürlich vorne links. Die Sitze verströmen aufgrund der parallelen Längsnähte immer noch ein bisschen Luftmatratzen-Optik, sind vor allem dank der ausziehbaren Oberschenkelauflage bequem und bieten vernünftigen Seitenhalt.

Lifestyle-Flitzer

Das Lenkrad ist überarbeitet und kann jetzt auch beheizt werden. Das Interieur ist mit dem fünf Zoll Monitor und dem 8,8 Zoll großen Zentraldisplay deutlich digitaler als bisher und lässt trotz des verspielteren Flairs mit der Ambiente-Beleuchtung, den Flugzeughebeln und den kleiner dimensionierten Drehdrückstellern die BMW-Gene durchschimmern. Daher findet man sich bei den Menüs des Infotainments schnell zurecht. Dass bei einem Mini im Zuge der Modellpflege erstmals eine elektrische Parkbremse erhältlich ist, nehmen wir mit einem anerkennenden Schmunzeln zur Kenntnis. Aber einen Mini fährt man nach wie vor aus einem gewissen Selbstverständnis und nicht primär aus praktischen Gründen. Deswegen freut sich der typische Mini-Pilot mehr über das aufwendig lackierte Multitone-Dach mit dem fließenden Farbverlauf sowie über die etwas veränderte Front- und Heckschürze.

Mit der Auffrischung inmitten des Modellzyklus kommen Funktionen in den Lifestyle-Flitzer, die man bei einem Auto dieser Güte schon länger erwartet hat, auch wenn einiges in typischer Mini-Manier nur gegen Aufpreis zu haben ist. Die aktive Geschwindigkeitsregelung kann jetzt auch Stop and Go und kostet 300 Euro extra, die Spurverlassenwarnung mit Lenkradvibration ist an das multifunktionale Instrumentendisplay gekoppelt und belastet das Budget mit 720 Euro. Das adaptive LED-Licht wird durch ein Schlechtwetterlicht ergänzt, das per Knopfdruck aktiviert wird und den Nebelscheinwerfer in der Frontschürze obsolet macht.

Der Fahrdynamiker freut sich über das adaptive Fahrwerk, das auch beim fünftürigen Mini Cooper S mithilfe der frequenzselektiven Dämpfer realisiert wird, die innerhalb von 50 bis 100 Millisekunden auf Fahrbahnunebenheiten reagieren und diese abfedern. Deswegen gibt es auch beim Mini Cooper S nach wie vor die drei Fahrmodi Sport (Fahrwerk ist straffer, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe agiert schneller und die Gasannahme ist unmittelbarer), während bei Mid und Green die Dämpfer komfortabler agieren und sich der Antriebsstrang etwas mehr zurückhält. Diese unterschiedliche Abstimmung soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Fahrwerk des Mini Cooper S auf der strafferen Seite anzusiedeln ist.

Schließlich steht das S im Namen in der Mini-Tradition für sportliche Dynamik. Mit einer Leistung von 131 KW / 178 PS ist der Mini Cooper S kein Kraftprotz und wird auch mal von südkoreanischen Kleinwagen gejagt. Die Stärke des Minis besteht auch in dieser Ausbaustufe im Wedeln, nicht im Sprinten, auch wenn er die 100 km/h aus dem Stand nach 6,7 Sekunden knackt und bis zu 235 km/h schnell ist. Der Cooper S macht auf Landstraßen Spaß und lässt sich auch ohne dem berühmten Messer zwischen den Zähnen schnell bewegen. Allerdings giert der Zweiliter-Vierzylinder nach Drehzahlen, was zu einer dementsprechenden Geräuschkulisse sorgt, die bei längeren Strecken auch nerven kann. Mini gibt den Verbrauch des Mini Cooper S mit 6,5 l/100 km an, wir brauchten bei der Testfahrt knapp zwei Liter pro 100 km mehr.

Ein Schnäppchen ist ein Mini Cooper ohnehin nicht: Los geht es bei 27.600 Euro. Will man die sportliche Variante des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes nutzen, sind bereits 2.000 Euro extra fällig, und wenn man den Mini etwas ausstaffiert, nähert man sich schnell der 35.000 Euro-Marke.

Wolfgang Gomoll; press-inform

VERBRAUCHSANGABEN
Mini Cooper S

CO2-Ausstoß (g/km): 147
Abgasnorm Euro 6d