Auf bloßen Füßen unterwegs

Generation Plus - Mitten im Leben:Auf bloßen Füßen unterwegs

Die Fangemeinde der Barfußwanderer wächst stetig. Vor allem Kinder lieben es, ohne Schuhe zu laufen. Und die Eltern und Großeltern machen mit. Inzwischen haben sich die Tourismusverbände auf Barfußwanderer eingestellt und bieten spezielle Wanderwege und Parks an. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es einige schöne Pfade.

Fans des Barfußwanderns feiern diese Form der Fortbewegung als Wiederentdeckung der natürlichsten Art des Laufens. Das Problem: Einfach Schuhe und Strümpfe ausziehen und loslaufen endet bei vielen Menschen mit schmerzenden Füßen – zu sehr haben sich die Füße an das Laufen in stabilen Schuhen gewöhnt. Es ist daher ratsam, sich langsam an das neue Gefühl zu gewöhnen. Kürzere Wanderungen können schon von Ungeübten durchgeführt werden. Wichtig ist ein geeigneter Untergrund – möglichst weich und nicht zu steinig.

Zum Üben in den Barfußpark

Am meisten Spaß macht Barfußwandern auf Wegen, die ohnehin keine festen Schuhe erfordern. Also auf weichen Wiesen, bemoosten Waldwegen, raschelndem Laub oder sandigen Küstenpfaden. Nicht jeder hat aber diesen natürlichen Luxus vor der Haustür – aber vielleicht entdeckt man ja beim Spaziergang plötzlich eine Wegabzweigung, die zum Barfußwandern einlädt. Warum dann nicht einfach die Schuhe auszuziehen und loslaufen?


Barfußwandern macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gesund.


Außerdem gibt es inzwischen zahlreiche Barfußparks, die speziell auf die Bedürfnisse des Barfußwanderns abgestimmt sind. So gibt es beispielsweise in Havixbeck im Münsterland einen Barfußpark, dessen 2,5 Kilometer langer Rundgang ideal für Anfänger geeignet ist, da er auf Fühlstrecken unterschiedliche Bodenbeläge zur Gewöhnung bietet. Barfußparks gibt in fast jedem Bundesland. Sie bieten Wassertretbecken, Balance-Balken oder hölzerne Hängebrücken.

Das Laufen auf bloßen Füßen beugt Fußschäden vor und fördert die Durchblutung – und zwar nicht nur die der Füße, sondern der gesamten Beinmuskulatur. Zudem regt das Barfußwandern auf ungewohnte Weise den Tastsinn an und stärkt außerdem die Abwehrkräfte. Der Wechsel der Temperaturreize zwischen kalt und warm auf der Haut führt zu einer besseren Durchblutung und trainiert so das Immunsystem. Übrigens: Angst vor Hornhaut brauchen Barfußwanderer nicht zu haben. Unter den Füßen bildet sich stattdessen eine strapazierfähige Lederhaut. Sie besteht im Gegensatz zur Hornhaut nicht aus abgestorbenen Hautschuppen, so dass der Tastsinn erhalten bleibt.

Barfußparks bieten zur Eingewöhnung Pfade mit verschiedenen Untergründen an. Foto: Ales Rak
Barfußparks bieten zur Eingewöhnung Pfade mit verschiedenen Untergründen an. Foto: Ales Rak

Kein Spaß ohne Risiko – wenn es auch gering ist. Wer allergisch auf Insektengift reagiert, sollte Blumenwiesen meiden. Ansonsten sind es höchstens herumliegende Glasscherben oder scharfkantige Metallteile, die eine Verletzungsgefahr darstellen. Da hilft nur Vorsicht. Eine Gefahr der Unterkühlung besteht nicht, da die Füße durch die Bewegung gut durchblutet sind und der Körper ständig in Bewegung ist.

In Schuhen mit Barfußgefühl unterwegs

Nicht jeder schafft es, sich an das Barfußwandern zu gewöhnen – oder möchte es vielleicht auch nicht, weil es dauerhaft doch zu weh tut, über kleine Steinchen zu laufen. Oder weil der Gedanke an das unter der Fußsohle klebende Kaugummi, in das man treten könnte, zu eklig ist. Wer dennoch auf den positiven Effekt nicht verzichten möchte, kann auf Zehenschuhe zurückgreifen. Sie sind wie ein Fuß geformt, aus elastischem Obermaterial mit einer dünnen, griffigen Sohle. So kann man den positiven Effekt des Barfußwanderns nutzen, muss aber auf einen Schutz der Fußsohle nicht verzichten. Von Julia Klinkusch

http://barfusspark.info
    

Barfußparks in Nordrhein-Westfalen

Havixbeck/Tilbeck: Der Barfußpfad im Münsterland ist 2,5 Kilometer lang. Der Rundweg führt über Waldwege und an Feldern entlang. Fühlstrecken mit unterschiedlichen Bodenbelägen sorgen für Abwechslung. Außerdem können Barfußläufer Wasser treten und den Füßen im Schlammbecken einen schwarzen Anstrich verpassen – und den natürlich am Brunnen beim Ausgangspunkt wieder abwaschen.

Emmerich/Elten: Der Barfußpark am Niederrhein verfügt über einen 1,8 Kilometer langen Weg. Er bietet verschiedene Untergründe wie Schlamm, Waschbeton, Rindenmulch, verschiedene Hölzer, Kies unterschiedlicher Körnung, Splitt und Sand sowie ein Wassertretbecken. Zwischen den 20 Stationen liegen Abschnitte aus natürlichem Wald- oder Wiesenboden. Im Eingangsbereich befinden sich Fußduschen und Schließfächer. Die Saison dauert von April bis Oktober.

Lienen: Auch im Teutoburger Wald werden Barfußwanderer fündig. Der 2,5 Kilometer lange Rundkurs beginnt gleich neben dem Dorfteich und der Touristen-Information. Dort können Schuhe und persönliche Gegenstände in Schließfächern untergebracht werden. Gleich am Start wartet ein Wassertretbecken, dahinter führt der Weg über eine Feuchtwiese zu einem Bachlauf. Es folgen zahlreiche Stationen mit verschiedenen Arten von Kies, Splitt, Sand, Rinde, Pflaster und Schlamm. Für Kinder gibt es kurz vor dem Ziel einen Wasserspielplatz.

Hamm: Zu den zahlreichen Aktions- und Spielstätten des Lippeparks Hamm gehört auch ein Barfußpark. Auf insgesamt 280 Metern Länge können Besucher das Erlebnis unterschiedlicher Bodenbeläge und Balancierstationen ausprobieren. Bunte Fußabdrücke weisen den Weg zu einem etwa 2,5 Kilometer langen Barfußspaziergang rund um die Halde – über Gras, Moos und auch mal durch Matsch.