Sicheren Kunstgenuss im Blick

Mina:Sicheren Kunstgenuss im Blick

Die Wuppertaler Bühnen starten in die neue Spielzeit mit einem ausgefeilten Schutzmaßnahmenkonzept in ihren Spielstätten Oper, Theater am Engelsgarten.

Diese Spielzeit wird anders. Ausgefeilte und genehmigte Hygieneschutzkonzepte geben den Ton an, grenzen ein, erlauben und können doch jederzeit angepasst werden müssen. An das, was das Land vor- und der Wuppertaler Krisenstab und das Gesundheitsamt weitergeben. Zuletzt am 15. Juli. „Das bleibt eine große Herausforderung und wir versuchen, unter Beachtung der geltenden Schutzmaßnahmen das bestmögliche künstlerische Programm zu bieten“, sagt der Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen, Daniel Siekhaus, und ergänzt, es gehe dabei nicht nur darum, was erlaubt sei, sondern was Sinn mache, wenn es um die Bespielung von Opernhaus und Theater am Engelsgarten geht: vom Backstage- und Verwaltungstrakt, über die Bühne, den Zuschauerbereich bis zum Kartenverkauf. Das Credo: „Uns ist wichtig, dass sich unsere Gäste und unsere Beschäftigten sicher und wohl fühlen.“  

Zuschauerbereich: Zum Glück gibt es den gesunden Menschenverstand, der in Wuppertal dazu führt, dass auf die erlaubte Vollbesetzung bei Rückverfolgung verzichtet wird. „Wir besetzen zur Hälfte, also zwei Plätze ja, dann wieder zwei Plätze nein“, erklärt Siekhaus. Macht 341 Plätze in der Oper, 75 im Theater am Engelsgarten und etwa 564 in der Historischen Stadthalle, wo das Sinfonierorchester auftritt. Der Prachtbau auf dem Johannisberg aber ist nicht Zuständigkeitsbereich von Siekhaus, wohl aber die Oper: Ein- und Ausgang samt Wegesystem sind getrennt, drei verschiedene Einlasszeiten entzerren den Zugang. So gehen die Zuschauer auf ihre jeweilige Ebene und bleiben dort. Ein Mund-Nasen-Schutz muss überall getragen werden, nur nicht am Sitzplatz. Die Vorstellungen finden größtenteils ohne Pause statt, eine gastronomische Verpflegung im Haus gibt es nicht. Nur wenn ein Stück wie „Die Zauberflöte“ zu lang ist oder die Dramaturgie es erfordert, wird eine Pause gewährt – dabei bleiben aber die Zuschauer auf ihrer jeweiligen Ebene. Einen Garderobenservice gibt es derzeit nicht, Jacken dürfen entsprechend in den Zuschauerbereich mitgenommen werden. Desinfektionssprays stehen in allen Spielstätten bereit.

Wuppertaler Bühnen

Bühne: Abstand ist das Gebot der Stunde, „das künstlerische Schaffen bleibt eingeschränkt“. sieben Quadratmeter pro Künstlerin und Künstler sind einzuhalten. Konzertprogramme werden gekürzt, im Orchestergraben der Oper kann nur eine verkleinerte Besetzung Platz finden. Der Opernchor tritt in kleinerer Formation auf, probt derzeit im Hof zwischen Opern- und Konzerthaus. Das Sinfonieorchester erfährt ein ganz anderes Musizieren. Esther Klose, die Marketing und Öffentlichkeit bei den Wuppertaler Bühnen verantwortet: „Vielleicht muss sich die Kunst neu erfinden.“

Mitarbeiter: Auch die Mitarbeiter der Wuppertaler Bühnen, die nicht auf der Bühne stehen, arbeiten seit dem Lockdown anders. Feste Teams arbeiten in der Oper im Wechsel und auch Homeoffice wird von vielen Beschäftigten genutzt. In manche Büros wurden Plexiglaswände zum Schutz eingezogen. Verzichtet wurde zum Spielzeitbeginn auf die obligatorische Begrüßungsfeier, die alte und neue Mitarbeiter willkommen heißt. Siekhaus bedauert: „Das wird diesmal nur ein Begrüßungsbrief.“ Erste Liederabende im Kronleuchterfoyer der Oper gab es im Juni wieder, der große Saal aber ist seit dem 13. März verwaist und wird erstmals wieder am 3. September durch das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch bespielt.

Die ersten Termine der Wuppertaler Bühnen

Tickets: Der Ticketkauf ist online oder bei der Kulturkarte am Kirchplatz und in den bekannten Vorverkaufsstellen möglich. Alle Angaben zur Person werden wegen der erforderlichen Rückverfolgungsmöglichkeit bei Feststellung einer Infektion gesammelt und nach vier Wochen gelöscht. Wegen der reduzierten Kartenzahl wird, vor allem bei den Premieren, zu einem frühzeitigen Ticketkauf geraten. Auf den Tickets sind unter anderem der Besuchername, die Platznummer und die Einlasszeit notiert.

Derweil wurde die Frist für die Abokündigung bis Ende September verlängert, damit niemand prophylaktisch kündigt. Bisher seien die meisten Abonnenten treu geblieben. Die Mitarbeiter der Kulturkarte nahmen im Sommer Kontakt mit denjenigen auf, deren Plätze nun wegfallen und suchten gemeinsam einen anderen festen Platz aus, der bis zur Aufhebung der Schutzmaßnahmen gilt. Erfreulicherweise, so Siekhaus, „haben uns viele Abonnenten unterstützt, indem sie auf Rückerstattung verzichtet haben.“ Diese Spielzeit wird wirklich anders. Von Monika Werner-Staude