Hauptstandort ist seit 2015 klimaneutral

Starke Partner im Bergischen:Hauptstandort ist seit 2015 klimaneutral

Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen, über den Stellenwert des Nachhaltigkeitsgedankens im Unternehmen.

Was unternimmt die Barmenia in Sachen Nachhaltigkeit und warum gehört sie zu Ihrer Verantwortungskultur? 
  
Dr. Andreas Eurich: Nachhaltigkeit übersetzen wir mit enkelgerechtem Handeln. Wir wollen als Versicherer unser Geschäft so betreiben, dass unser gesellschaftlicher Beitrag dazuführt, dass wir nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen. Wir haben Nachhaltigkeit unserer Verantwortungskultur zugeschrieben, da Kultur etwas Langfristiges ist. Auch wenn sich Strategie oder Ziele verändern, bleibt das Thema Nachhaltigkeit Teil unserer Verantwortungskultur. Nachhaltigkeit ist ein Weg, den man gehen muss, um die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, und er nimmt kein Ende, da sich immer neue Herausforderungen stellen. Dabei ist es für uns wichtig, wirtschaftlich zuhandeln, soziale Verantwortung zu übernehmen und umweltbewusst zu agieren. So sehen wir es auch bei unserer Kapitalanlage. Geld nimmt großen Einfluss auf die Gesellschaft. Unsere fast 15 Milliarden Euro legen wir renditebewusst an, berücksichtigen dabei aber auch Sozial- und Umweltkriterien. Seit dem Jahr 2014 bekennen wir uns zu den Grundsätzen für verantwortungsbewusstes Investieren der Vereinten Nationen. Wir haben Ausschlusskriterien festgelegt und investieren nicht in Staaten und Unternehmen, die beispielsweise gegen Menschenrechte oder Umweltgesetze verstoßen. Bei unseren Versicherungslösungen sehen wir neben den finanziellen Leistungen auch persönliche Unterstützung, zum Beispiel durch Gesundheitsberatungen im Gesundheitsmanagement, durch unseren Kooperationspartner „Die Johanniter“ in der Pflegeversicherung oder die telemedizinischen Leistungen, über App mit einem Arzt sprechen zu können. Umweltbewusstsein zeigen wir auch in unserem Geschäftsbetrieb. Wir haben seit 2010 drei Vierteilunserer CO2-Emissionen reduziert und wirtschaften am Wuppertaler Hauptstandort seit 2015 klimaneutral.

Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen
Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen

Was versteht eine Versicherung auf Gegenseitigkeit unter Nachhaltigkeit?

Eurich: Das Besondere an der Rechtsform VVaG ist, dass Kunden automatisch Mitglieder sind und das Kundeninteresse fokussiert wird. Bei unseren Überlegungen und Aktivitäten wollen wir immer den Menschen in den Mittelpunkt stellen und dies verdeutlicht im Besonderen unser Slogan „Barmenia. Einfach. Menschlich.“ Damit Interessierte unser Nachhaltigkeitsengagement verfolgen können, haben wir eine spezielle Internetseite geschaffen, die man unter www.nachhaltige.versicherung erreicht.

Haben Sie gerade viele Anfragen bezüglich Corona? Welche sind das?

Eurich: Natürlich erhält auch die Barmenia Anfragen im Hinblick auf die Corona-Pandemie. Die Fragen sind sehr unterschiedlich und betreffen die unterschiedlichsten Bereiche. Gerne gebe ich Ihnen einige Beispiele: Haben Sie in Ihren Unternehmen einen Notfallplan? Bieten Sie in diesen Zeiten Erleichterungen für PKV-Versicherte? Wie gehen Sie mit Leistungsfällen in der Berufsunfähigkeits- beziehungsweise Kinder-Invaliditätsversicherung um? Was müssen Reisende in der aktuellen Zeit beachten? Stichwort Reiserücktritt. Auf unserer Internetseite www.barmenia.de halten wir dazu umfangreiche Fragen und Antworten zu diesem Thema für unsere Kunden bereit.

Stellt die Coronakrise für Sie als Versicherung ein Problem dar? Etwa durch Zahlung von Reiserücktrittskosten?

Eurich: Alle – ob Kunde, Vertrieb oder Mitarbeiter, ob beruflich oder privat – sind in einer besonderen Situation. Wir verstehen daher voll und ganz die Frage nach wirtschaftlicher Sicherheit. Das gesamte Barmenia-Team ist mobilisiert und bleibt seinen Serviceleistungen und Ansprüchen treu, um den Kunden den besten Service und die gewohnten Ansprechpartner zu bieten. Wir sind gut aufgestellt, sodass sich unsere Kunden über Erreichbarkeiten und Leistungsbereitschaft keine Sorgen machen müssen.

Was unternehmen Sie in Ihrem Unternehmen in Sachen Corona? Gibt es Homeoffice und andere Maßnahmen?

Eurich: Unser aller Leben hat sich durch das Coronavisus in den vergangenen Wochen verändert. Die Auswirkungen spüren wir alle natürlich auch in der Barmenia. Wir haben die Hinweise der WHO,des RKI und der lokalen Behörden von Anfang an ernst genommen. Dabei hat die Sicherheit unserer Mitarbeiter oberste Priorität. Aus diesem Grund arbeiten zurzeit rund 90 Prozent der Belegschaft im Homeoffice. Wir erleben, dass virtuelle Angebote wie Video- und Telefonkonferenzen sehr gut angenommen werden, um den regelmäßigen Austausch mit den Kunden und den Kollegen sicherzustellen. Damit Ansteckungen im Unternehmen vermieden werden, wurden die Mitarbeiter aufgefordert, unter anderem auf eine konsequente Husten- und Nies-Etikette und gute Handhygiene zu achten. Darüber hinaus wird ein Mundschutz getragen, sobald der Arbeitsplatz verlassen wird.


Sanierung: Denkmäler als Klimaschützer

Die renaissance Immobilien und Beteiligungen AG hat sich den historischen Altbaubestand Wuppertals vorgenommen, der bislang noch vielerorts eine Art Dornröschenschlaf führt. Einige Projekte zeigen beispielhaft, wie die gründerzeitliche Baujuwelen wieder schön gemacht werden können. Und das im Sinne der Nachhaltigkeit.

Glänzen wieder in neuem (alten) Glanz: die sanierten Häuser an der Friedrich-Ebert-Straße 290 -292 in Elberfeld.
Glänzen wieder in neuem (alten) Glanz: die sanierten Häuser an der Friedrich-Ebert-Straße 290 -292 in Elberfeld.

Neubauten sind eher klimaschädlich“, ist Christian Baierl, Vorstand der renaissance Immobilien und Beteiligungen AG, überzeugt. „Eine Sanierung dauert zwar oft länger als ein Neubau, aber gegenüber diesem lassen sich rund zwei Drittel an Material einsparen. Wenn man das Thema ganzheitlich bewertet – was heutzutage erforderlich ist – unter Berücksichtigung von Produktionsprozessen, Baustoffen und Wiederverwertungsmöglichkeiten, schneiden Sanierungen in der Regel deutlich besser ab als Abbruch und Neubau.“

Baierl verweist auf eine Analyse der Umweltschutzorganisation WWF: Weltweit sei allein die Herstellung von Zement für acht Prozent aller CO2-Emmissionen verantwortlich. Umweltschäden entstünden zudem noch durch den Verbrauch von Sand und Kies. Baierl: „Denn der wird oft in Naturgebieten oder an Küsten in Ländern mit geringen Umweltstandards abgebaut.“

Ein Beispiel für eine solch gelungene Sanierung historisch wertvoller Bausubstanz in Wuppertal, der zuvor wohl kaum jemand noch große Beachtung schenkte, sind mehrere ehemaligen Mietshäuser der heutigen Bayer AG an der Friedrich-Ebert-Straße, die aus dem Jahr 1890 stammen.

Fensterpartie vor der Sanierung
Fensterpartie vor der Sanierung

Dieser langgestreckte Straßenzug in Elberfeld sollte nach dem Willen der renaissance Immobilien und Beteiligungen AG unbedingt aus seinem Dornröschenschlaf erweckt und seinem ursprünglichen Zweck, nämlich Wohnraum für Menschen der Stadt zu sein, wieder zugeführt werden.

Was bei dem Bauprojekt sofort ins Auge sprang, waren die Fassaden, an denen jahrelang nichts mehr getan worden war. Die mehrgeschossigen Bauten hatte man um 1890 im Stil der Neorenaissance errichtet. Teilweise waren inzwischen der Putz und der Stuck abgebrochen, die Fenster nicht mehr dicht und diese noch einfach verglast.

So wurde zunächst die Stuckfassade wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht – eine sehr aufwendige Arbeit. Dann wurden die Fenster ausgetauscht und die ursprünglichen Fenster (wieder aus Holz, diesmal aber mit Doppelverglasung) nachgebaut und der umliegenden Bebauung der anderen historischen Häuser angeglichen. Danach hat man die verschiedenen Farbschichten der Fassadenfarbe mit dem Skalpell abgekratzt, um so den originalen Farbton freizulegen. Dieser Farbton wurde dann neu gemischt und aufgetragen. Im Anschluss ging es an die Kernsanierung des ganzen Hauses: Das hieß, die Rohrleitungen zu ersetzen ebenso wie die elektrischen Leitungen und neue Heizungen einzubauen.

Fensterpartie nach der Sanierung
Fensterpartie nach der Sanierung

Die Grundrisse der Wohnungen wurden verändert, wobei Durchgangszimmer größtenteils vermieden werden konnten. So entstanden Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit 50 bis 90 Quadratmetern Größe. Die sanitären Anlagen wurden ebenfalls komplett saniert. Die Türen in den Wohnungen hat man, soweit diese noch original vorhanden waren, wieder aufgearbeitet oder eben nachgefertigt. Durch die isolierverglasten Fenster, die neue Heizungsanlage und Dämmungen in Keller und Dach sind die Altbauten nun energiesparender als viele wohl gedacht hätten und erfüllen energetische Forderungen.

Zur detailgetreuen Sanierung gehörte es auch, dass das historische Treppenhaus inklusive Handläufen des Geländers und Wandfliesen aufgearbeitet wurden. Bei der Dämmung und Neueindeckung des Daches musste wegen des Denkmalschutzes die Farbe der Dachziegel an die der Nachbarhäuser anzupassen. Typische Sanierungsprobleme wie Statik, Hausschwamm und Schimmel seinen zwar auch aufgetreten, so die renaissance AG. Aber diese hätten sich als „überwindbar“ erwiesen.

Nach Meinung des Unternehmens kann eine Reaktivierung historischer Bausubstanz wie diese das Stadtbild Wuppertals positiv und nachhaltig verändern und helfen, Stadtteile wiederzubeleben.

Die Häuser an der Friedrich-Ebert-Straße sind Mitte vergangenen Jahres fertiggestellt worden. Eingezogen seien überwiegend Mieter aus Wuppertal und Düsseldorf. „Durch die Anziehungskraft bezahlbaren und ästhetischen Wohnraums in Altbauten, dessen Mietpreise meist unter dem Mietspiegel liegen, wird Wohnen in Wuppertal auch für Menschen aus Düsseldorf oder Köln attraktiver“, sagt Christian Baierl. „Und auch für Künstler, die in diesen Städten so gut wie keine Atelierflächen mehr bekommen.“

Weiterer Wohnraum auf ehemaligen Fabrik-Arealen
Ein weitere Option sei es, durch den Umbau auch ehemaliger Fabrikanlagen weiteren Wohnraum zu schaffen.

Vor allem aber sei es die positive Umweltbilanz, die für einen Ausbau der Sanierungen spreche: „Denkmäler sind Klimaschützer“,ist man bei der renaissance AG überzeugt: „Die meisten Baustoffe sind bereits vorhanden, müssen also nicht erst umweltbelastend produziert werden. Bebaute Flächen werden genutzt, statt neue zu erschließen. Denkmäler sind somit ressourcenschonend, nachhaltig und umweltfreundlich.“