Blüten, Stein und Eisen

Unterwegs:Blüten, Stein und Eisen

Per Stahlross rund um Osnabrück: Die Hufeisen-Route verbindet 46 hörenswerte Geschichten.

Ein altes Silberbergwerk und Hünengräber, eine Burg auf dem Berg und eine im Wasser, die Arbeitersiedlung eines Königs und Felsen mit einer bewegten Vergangenheit – in den sechs Gemeinden rund um Osnabrück erleben Radfahrer auf der Hufeisen-Route mehr als 5000 Jahre Menschheits-Geschichte. 

Und zwar ganz zeitgemäß per Smartphone: An 46 Punkten der 105 Kilometer langen Tour finden sich Hörstationen mit QR-Codes, die zu spannenden Geschichten führen. Jede davon ist knapp fünf Minuten lang, wird von professionellen Sprecherinnen und Sprechern vorgetragen und entführt die Zuhörer zum Beispiel in die Entstehungszeit der jeweiligen Baudenkmäler.

Rast an der Windmühle in Wallenhorst-Lechtingen. Fotos (2): Klaus Herzmann
Rast an der Windmühle in Wallenhorst-Lechtingen. Fotos (2): Klaus Herzmann

So erfahren Radler in Hasbergen, dass der Bahnhof und der ungewöhnlich eckige Wasserturm aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Noch heute ist hier der Knotenpunkt für den Güterverkehr des Stahlwerks im nahen Georgsmarienhütte.

In Wallenhorst lässt sich auf einer Anhöhe über dem idyllischen Nettetal eine uralte Burgruine entdecken. Sie heißt „Wittekindsburg“, obwohl niemand so genau weiß, ob der legendäre Widersache von Karl dem Großen wirklich jemals dort war. Die Stimme aus dem Smartphone stellt die Wittekinds-Sage den historischen Tatsachen über die Sachsenkriege des achten Jahrhunderts gegenüber und verleiht so dem verwunschenen Ort im tiefen Wald einen zusätzlichen Reiz.

Megalithgräber und Granitfindlinge

Da es in Belm gleich zwei Megalithgräber gibt, lassen sich auch zwei unterschiedliche Geschichten über die rund 5000 Jahre alten Bauwerke erzählen: Eine macht mit einer Reportage anschaulich, wie die Menschen der Jungsteinzeit ihre verstorbenen Angehörigenbestatteten, woran sie glaubten und wie sie aus tonnenschweren Granitfindlingen Monumente für die Ewigkeit errichteten. Die zweite erklärt, warum die Großsteingräber „Teufels Backofen“ und „Teufels Backtrog“ heißen. Auch hier fließt wieder viel Märchenhaftes in die Erzählung ein.

Hörstation an der Hufeisen-Route. Foto: pro-t-in.de
Hörstation an der Hufeisen-Route. Foto: pro-t-in.de

An der Schelenburg in Bissendorf kommt Jörg von Unkair zu Wort. Der Baumeister brachte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Renaissance nach Norddeutschland, errichtete unter anderem Schloss Neuhaus bei Paderborn und Schloss Detmold. Erhatte den Auftrag, den zur Ruine verfallenen Stammsitz derer von Schele in das repräsentative Wasserschloss zu verwandeln, vor dem die Radler lauschend stehen.

In Georgsmarienhütte bildet die Industriekultur den Schwerpunkt. So erzählt das Smartphone aus jener Zeit, als die Siedlung „Alte Kolonie“ noch neu war: Mitte des 19. Jahrhunderts brauchte die aufstrebende Bergwerks- und Hüttenstadt Arbeitskräfte. Um Fachleute aus dem Harz anzuwerben, ließ König Georg V. von Hannover die Siedlung bauen, die damals hochmodern war und heute wunderbar nostalgisch wirkt.An der Schelenburg in Bissendorf kommt Jörg von Unkair zu Wort. Der Baumeister brachte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Renaissance nach Norddeutschland, errichtete unter anderem Schloss Neuhaus bei Paderborn und Schloss Detmold. Erhatte den Auftrag, den zur Ruine verfallenen Stammsitz derer von Schele in das repräsentative Wasserschloss zu verwandeln, vor dem die Radler lauschend stehen.

Blüten und Silber im Teutoburger Wald

Um Blüten geht es in Hagen am Teutoburger Wald – allerdings nicht nur um die der zahlreichen Kirschbäume, für die der Ort so bekannt ist. Denn im Silberberg gruben eigens angeworbene Fachkräfte aus dem Harz nach Silber und nach anderen Metallen. Die Arbeit in der Tiefe veränderte auch die Landschaft über Tage. Und so entstand die zauberhafte Blütenwiese, auf der sogar zehn Orchideenarten gedeihen – ohne QR-Code hätte man die vielleicht übersehen. Einige weitere Stationen der Hufeisen-Route erläutern ebenfalls Natur-Phänomene, denn der Weg entlang der Kämme von Wiehengebirge und Teutoburger Wald führt schließlich durch den Natur- und Unesco-Geopark Terra.vita.

SERVICE

INFORMATIONEN
Tourismusverband Osnabrücker Land e.V.
Telefon 0541/323 45 67.
www.osnabruecker-land.de
www.hufeisen-route.de