Die feindlichen Brüder am Rhein

Unterwegs:Die feindlichen Brüder am Rhein

Die gastlichen Burgen Sterrenberg und Liebenstein gehören zu den schönsten Aussichtspunkten am Mittelrhein

Das Flusstal zwischen Koblenz und Bingen wurde vor allem wegen seines Burgenreichtums zum Unesco-Welterbe geadelt. Keines der Bauwerke aus alter Zeit gleicht dem anderen. Die einen thronen wie die Marksburg bei Braubach oder das Schloss Stolzenfels bei Koblenz majestätisch auf hohem Fels, andere stehen eng beisammen wie die „Feindlichen Brüder“, Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg, bei Kamp-Bornhofen.

Zwischen beiden steht eine auffällige Trennmauer, deren Bau gleich mehrere Sagen beschreiben. Herzzerreißend ist die Geschichte vom ernsthaften Heinrich und dem lebenslustigen Konrad. Die Brüder waren gleichermaßen in das wunderschöne Waisenmädchen Hildegard Brömser verliebt, das als Mündel mit den Brüdern aufwuchs. Aber Hildegard war Konrad mehr zugetan als Heinrich.  

Die Burg Sterrenberg ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Die Burg Sterrenberg ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Der edle Recke ging enttäuscht auf Kreuzzug und wurde für seinen Heldenmut vom Kaiser ausgezeichnet. Das bewog seinen Bruder Konrad, ebenfalls Ruhm bei den Kreuzzügen zu suchen. So blieb Hildegard mit dem Vater der Brüder allein, der für seine Söhne derweil die zwei Burgen baute. Konrad kehrte von den Kreuzzügen nicht mit einem Orden, sondern einer schönen Griechin zurück, mit der er sich fortan ein schönes Leben auf Burg Sterrenberg machte.

Heinrich blieb auf Burg Liebenstein in Hildegard verliebt, die aber enttäuscht vom weltlichen Leben ins Kloster ging. Das Jammertal der Liebe wurde komplett, als die Griechin irgendwann Konrad verließ. So weit, so gut. Allerdings sagen die historischen Fakten lediglich, dass im 13. Jahrhundert die Burg Sterrenberg unter den Brüdern Werner und Philipp von Bolanden aufgeteilt wurde, was später zu Erbstreitigkeiten führte.

Auch mit dem Fahrrad lässt sich die Region erkunden.
Auch mit dem Fahrrad lässt sich die Region erkunden.

Auf der Rheinsteig-Etappe von Kestert nach Filsen kommen die Wanderer direkt an den „Feindlichen Brüdern“ vorbei und kommen den Geschichten, die sich um die alten Gemäuer ranken, vor der Originalkulisse ganz nah. Schon von der Hindenburghöhe in Kestert, einem schmucken Weindorf direkt am Rheinufer, sieht man die beiden Burgen Liebenstein und Sterrenberg auf den Felsen über Kamp-Bornhofen.

Der Rheinsteig feiert 2020 seinen 15. Geburtstag. Der 320 Kilometer lange Wanderweg zwischen Wiesbaden und Bonn gilt als der König der Steige, nicht nur, weil an ihm alle anderen Wanderwege im Land gemessen werden, sondern vor allem, weil er Genuss und Herausforderung gleichermaßen bietet.

Der Weg zu den „Feindlichen Brüdern“ ist ein echtes Wandererlebnis mit anspruchsvollen Aufstiegen und auf der Höhe herrlichen Ausblicken über das Welterbetal. Die beiden Burgen Liebenstein und Sterrenberg sind heute gastliche Häuser, die Wanderer gern bewirten.

Gut markiert: der Rhein-Steig.
Gut markiert: der Rhein-Steig.

Und spätestens bei einer gemütlichen Rast gibt es die nächste Version um den Streit zwischen den Burgherren zu hören: Vor langer Zeit sollten sich zwei Brüder das elterliche Erbe mit ihrer Schwester teilen. Mit einem Scheffel fuhren sie in die Geldtruhe, um mit drei gleich großen Geldhaufen die Münzen gerecht zu teilen.

Doch gerecht blieb es nicht, denn die Schwester war blind. Jedes Mal, wenn ihr Anteil gescheffelt wurde, drehten die Brüder das Maß um und füllten nur den von einem schmalen Rand umgebenen Boden. Die Schwester durfte mit den Händen fühlen, ob das Maß voll war und merkte so nichts von dem Betrug.

Doch während die Brüder ihr Geld mit vollen Händen ausgaben und bald nichts mehr besaßen, wurde die Schwester dank klugen Haushaltens immer reicher. Die Brüder aber gerieten in Streit und errichteten die Streitmauer zwischen den beiden Burgen. Auf einer gemeinsamen Jagd wollten sie sich wieder versöhnen und verabredeten, dass derjenige, der am Morgen zuerst wach wird, einen Pfeil an den Fensterladen des Bruders schießt. Beide erwachten zur gleichen Zeit, öffneten das Fenster, schossen den Pfeil ab und töteten sich gegenseitig.

Etappenziel mit Blick auf den Rhein.
Etappenziel mit Blick auf den Rhein.

In der verbrieften Historie der beiden Burgen waren es nicht Brüder, die eine Mauer bauten, sondern unterschiedliche Landesherren, nämlich die Grafen von Sponheim und die Erzbischöfe von Trier. Die Burg Liebenstein wurde als Gegenburg zur Burg Sterrenberg errichtet. Die Streitmauer ist eine doppelte Schildmauer, die das Territorium zwischen den verfeindeten Burgherren zusätzlich schützen sollte.

Auf der Höhe der anderen Uferseite führt übrigens der Rheinburgenweg auf der Etappe von Rhens nach Bad Salzig zur vielgepriesenen Aussicht auf die „Feindlichen Brüder“. Dieser Blick begeisterte schon die Romantiker. Bekannt sind vor allem die Gemälde von William Turner, der die Sagen um die Brüder wohl auch kannte, denn die Streitmauer stellte er immer detailreich dar, während er es mit den landschaftlichen Gegebenheiten nicht ganz so genau nahm. Er malte die Burgberge deutlich höher als sie sind. Die Perspektive, die er für sein Gemälde wählte, können am besten die Radler auf dem Rheinradweg nachvollziehen, der dort ganz nah am Ufer verläuft.

Informationen:

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