Wuppertal soll „Schwammstadt“ werden

Wir in Wuppertal

Wuppertal soll „Schwammstadt“ werden

Regenwasser soll nicht mehr nur über die Kanalisation abfließen, sondern begrünte Gebäude und Straßen sowie Wasser-, Grünflächen und Parks sollen dieses in großen Teilen zurückhalten beziehungsweise versickern lassen.

Rigolen sind unterirdische Pufferspeicher, in die das Regenwasser am Straßenrand (wie hier in Berlin) über Rohre eingeleitet wird. Von dort aus kann es nach und nach gereinigt in den Untergrund versickern.

Anfang des Monats hat der Rat der Stadt beschlossen, dass Wuppertal sich für das NRW-Projekt „Schwammstadt“ bewerben wird. Die Entscheidung fiel einstimmig aus.

Der Begriff Schwammstadt bedeutet, dass Regenwasser nicht mehr ausschließlich über die Kanalisation abgeführt wird, sondern dass diese durch die Anlage von grünen Dächern, die Regenwasser aufsaugen, von bepflanzten Fassaden und durch unversiegelte Flächen entlastet wird. Des Weiteren soll das Schwammstadt-Konzept helfen, das Klima zu verbessern, indem es etwa durch die Verdunstung des Wassers für Kühlung bei Hitze in den Städten sorgt.

Mit einem Modellprojekt soll das Konzept „Schwammstadt“ in Wuppertal quasi als Pionierkommune getestet und die Erkenntnisse daraus dann gesammelt und für andere Kommunen nutzbar gemacht werden. Natürlich ist auch die Hoffnung damit verbunden, dass die Stadt künftig weniger anfällig für Überflutungen sein wird.

Ratsherr Ulrich-Timmo Christenn von den Wuppertaler Grünen hat sich für das Projekt besonders stark gemacht. Nach seinen Angaben wird die Verwaltung nun schauen, wo es Flächen in der Stadt gibt, die als Schwammstadt-Areale nutzbar sind. „Wir denken dabei ja nicht nur an Regenrückhaltebecken, sondern es sollen multifunktionale Flächen sein. Orte der Natur, ein Sportplatz, der überschwemmt werden kann, oder Flächen, wo auch Kultur möglich ist.“ Sozusagen eine „intelligente Nutzung“ dieser Schwammstadt-Flächen: „Wir wollen die Menschen ja keineswegs von dort fernhalten.“

Ratsherr Ulrich-Timmo Christenn von den Wuppertaler Grünen hat sich für das Schwammstadt-Projekt stark gemacht.
Ratsherr Ulrich-Timmo Christenn von den Wuppertaler Grünen hat sich für das Schwammstadt-Projekt stark gemacht.

Irgendwann sind die Böden gesättigt und die Kanäle voll

Der Starkregen im Juli habe die Schwammstadt-Idee noch einmal befeuert. „Überschwemmungen sind bei einem konventionellen Städtebau nun mal nicht zu verhindern“, sagt Christenn. „Irgendwann sind die Böden gesättigt, die Kanäle voll, und das Wasser kann nicht mehr abfließen. Deswegen müssen wir noch mehr Flächen frei machen. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht in die Kanalisation oder die Wupper abgeleitet wird, hilft den Menschen und auch dem Klima.“

Dabei sei diese Idee im Prinzip nicht einmal so neu, wie Christenn betont. „Es wurden schon im vorvergangenen Jahrhundert Parkanlagen in Wuppertal stadtnah angelegt. Die Bürger hatten damals den Wert solcher grünen Erholungsräume nahe der Stadt erkannt. Gerade angesichts der dichten Bebauung an der Wupper. So kam es etwa zur Anlage der Königshöhe oder des Vonder-Heydt-Parks.“

Im vergangenen Jahrhundert habe sich die Einstellung jedoch fundamental geändert: „Da galt dann die Devise, dass das Regenwasser möglichst schnell weg müsse“, so Christenn. In der Folge wurden zahlreiche Bäche kanalisiert oder unter die Erde gelegt. „Und die sind nun alle im Juli über die Ufer geflossen.“

Dabei, so der Grünen-Politiker, dürfe man in der Stadt keineswegs nur auf die Wupper schauen, sondern müsse das gesamte Einzugsgebiet der Stadt sehen. „Es sind immerhin rund 800 Fließgewässer, die diese Stadt prägen.“

Nicht zuletzt seit der Hochwasserkatastrophe im Juli sei nun die Erkenntnis gereift, dass man künftig „auf Bebauung an falscher Stelle“ verzichten müsse. „Präventiv müssen die Menschen besser geschützt werden.“

In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten sei dagegen viel zu viel Boden versiegelt worden, ob Parkplätze oder auch Vorgärten. Bei Gewerbegebieten bestehe zum Beispiel das Gelände in der Regel zu 20 Prozent aus versiegelten Parkplätzen. Und dabei seien die asphaltierten Straßen noch nicht einmal berücksichtigt. Christenn ist überzeugt, dass es hierzu aber zahlreiche interessante Alternativen gibt: „Rigolen am Straßenrand etwa. Das sind unterirdische Pufferspeicher, in die das Regenwasser über Rohre eingeleitet wird. Von dort aus kann das Wasser dann nach und nach in den Untergrund versickern. So wird dafür gesorgt, dass Regenwasser gereinigt ablaufen kann.“

Einen Antrag für ein konkretes lokales Modellprojekt für die Schwammstadt-Idee gibt es noch nicht. „Wir wollten erst einmal das Konzept voranbringen.“ Christenn ist gespannt, ob die Einmütigkeit, wie sie nun bei der Zustimmung zur Schwammstadt-Modellstadt Wuppertal allgemein herrschte, auch bei einem künftigen konkreten Projekt weiter Bestand hat.

„Wenn es dann um gezielte Einzelmaßnahmen, wie etwa die Gestaltung von Gewerbegebieten hier in der Stadt geht, könnte es noch spannend werden.“