Seelsorge auf Italienisch

Wir in Wuppertal:Seelsorge auf Italienisch

Die „Missione Cattolica Italiana“, die Katholische Italienische Mission, ist für viele ausgewanderte Italiener die erste Anlaufstelle, wenn sie nach Wuppertal kommen. Viele von ihnen bringen sich fest in das Gemeindeleben ein – auch noch Jahrzehnte nach ihrer Ankunft.

Antonio Cacciatore machte sich Mitte April vom Deweerth’schen Garten aus auf den Weg. Als Jesus führte er die Karfreitagsprozession auf ihrer fünf Kilometer langen Strecke über den Laurentiusplatz und Neumarkt bis zur Hardt an. Dort wurde Cacciatore ans Kreuz geschlagen. Rund 80 Laiendarsteller der Katholischen italienischen Gemeinde Wuppertal stellten bereits unterwegs Szenen des Leidensweges Jesus nach: zum Beispiel die Verleugnung des Petrus, den Verrat des Judas und die Verurteilung durch Pilatus. Etwa 3000 Zuschauer verfolgten die außergewöhnliche Darstellung, die die italienische Gemeinde bereits zum 39. Mal veranstaltete. Die ersten Prozessionen waren von Italienern für Italiener organisiert, denn im Süden des Landes haben Passionsspiele eine lange Tradition. Inzwischen ist die Karfreitagsprozession zu einer Veranstaltung für alle, Gläubige und Nichtgläubige, geworden. Für die italienische Gemeinde Missione Cattolica Italiana ist sie eines der wichtigsten Ereignisse des Kirchenjahres.

Italiener bei ihrem Ankommen in Wuppertal unterstützen

Die erste Messe in italienischer Sprache feierten wohl Gastarbeiter des ehemaligen Textilunternehmens J. P. Bemberg in Wuppertal. „Allein bei Bemberg waren über 2000 Italiener beschäftigt, und die wollten ihre religiösen Traditionen feiern“, sagt Rosaria Caramazza. Nach und nach habe das 1962 zur Gründung der Missione Cattolica Italiana, der Katholischen Italienischen Mission, geführt. Für die arbeitet Caramazza inzwischen als Sekretärin. „Wir haben damals – und das ist noch immer unsere Aufgabe – Italiener bei ihrem Ankommen in Wuppertal unterstützt. Wer in ein fremdes Land kommt und die dortige Sprache nicht spricht, benötigt zunächst etwas Unterstützung“, erklärt sie.

Wuppertal Bayer

Aus Apulien, der Region am Absatz des italienischen Stiefels, kam Maria Gallitelli 1969 nach Wuppertal – zusammen mit ihrem kleinen Bruder und ihrer Mutter. „Mein Vater und mein älterer Bruder waren schon früher nach Deutschland ausgewandert. Wir sind nach Barmen gekommen und seitdem auch dortgeblieben“, sagt die 61-Jährige. Sie erinnert sich noch gut an die erste Zeit am neuen Wohnort. „Damals war ich elf Jahre alt, da habe ich schon einiges mitbekommen. Die italienische Mission hat uns sehr geholfen, in Deutschland anzukommen.“ Aus dem Kofferraum eines Auto heraus hätten die Mitglieder damals Behördenformulare für die Familie Gallitelli und viele weitere Auswanderer ausgefüllt. „Meine Eltern mussten viele Unterlagen vorbereiten und konnten Hilfe gebrauchen“, blickt sie zurück. Für Italiener ist der katholische Glaube besonders wichtig. Daher stand für die Familie Gallitelli fest, dass sie den Gottesdienst auch in ihrer neuen Heimat besucht. „Im deutschen Gottesdienst hätten wir natürlich nichts verstanden. Daher war es toll, dass es ein Angebot in italienischer Sprache gab.“

Maria Gallitelli und Pastor Don Angelo Ragosta von der Italienischen Katholischen Gemeinde Wuppertal
Maria Gallitelli und Pastor Don Angelo Ragosta von der Italienischen Katholischen Gemeinde Wuppertal

Das Thema Zuwanderung hat sich Gallitellis Meinung nach von der Gastarbeiterzeit bis heute kaum verändert. „Auch heute kommen Menschen aus dem südlichen Europa in der Hoffnung nach Deutschland, hier eine gute Arbeit zu finden. Das war damals auch so“, erklärt sie. Gallitelli weiß, wovon sie spricht. In Wuppertal arbeitet sie für die Sozialdienststelle ACLI, die Associazioni Cristiane Lavoratori Italiani, und hilft Italienern dabei, sich während deren ersten Wochen in Deutschland zurecht zu finden. „Wir sind die italienisch sprechende Version der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Deutschland.“ Wer auswandere und gläubig ist, suche zuerst den Kontakt zur Kirche. „Daher arbeiten wir stark mit der italienischen Mission Wuppertal zusammen. Von den Kollegen erfahren wir, wer neu angekommen ist und welche Unterstützung benötigt wird“, sagt die Sozialdienstmitarbeiterin.

Gallitelli hat während der vergangenen Jahre unterschiedliche Auswanderergeschichten erlebt. „Da waren Italiener dabei, die all ihr Erspartes dabei hatten und nun dringend Arbeit suchten.“ Während der vergangenen Jahre kamen immer mehr junge Erwachsene, manche ohne Ausbildung oder Studium. Die Arbeitslosigkeit in Italien ist besonders unter Jugendlichen groß. „Uns ist egal, wer kommt. Wir helfen, eine Wohnung zu finden, organisieren Möbelspenden und was sonst noch notwendig ist“, erklärt Gallitelli. Dennoch gelingt es den Auswanderern nicht immer, ein neues Leben aufzubauen. Wer mit der neuen Sprache nicht zurechtkomme und dadurch zum Beispiel Probleme in der Schule oder bei der Jobsuche habe, entscheide sich auch schon einmal für die Rückkehr nach Italien. „Die ersten sechs bis sieben Monate sind meistens entscheidend.“

Enge Bindung an die Italienische Katholische Mission beibehalten

Don Angelo Ragosta zelebriert in der Laurentiuskirche eine Messe mit der italienischen Gemeinde.
Don Angelo Ragosta zelebriert in der Laurentiuskirche eine Messe mit der italienischen Gemeinde.

Die, die sich eine dauerhafte Existenz in Deutschland vorstellen können, haben oft eine enge Bindung an die Italienische Katholische Mission Wuppertal und nehmen am Gemeindeleben teil. Jeden Sonntag hält Seelsorger Ragosta einen Gottesdienst ab. Da die italienische Gemeinde jedoch kein eigenes Gotteshaus hat, findet die fremdsprachige Messe zweimal im Monat in der Pfarrkirche St. Laurentius und zweimal im Monat in der Pfarrkirche St. Johann Baptist statt. Ragosta kam vor zwei Jahren zur italienischen Gemeinde. „Wir sind sehr froh, dass wir noch einen neuen Pastor bekommen haben“, sagt Gallitelli. Denn während der vergangenen Jahre wurden immer mehr Auslandsgemeinden zusammengelegt. Der Wuppertaler Seelsorger übernimmt zusätzlich die italienischen Gottesdienste in Velbert, Mettmann und Hilden. Seine Messen sind stets gut besucht – auch außerhalb der großen Feste innerhalb des Kirchenjahres. „Jeden Sonntag sind 100 bis 150 Gläubige dabei“, berichtet Gallitelli. Das liege auch daran, dass selbst diejenigen Italiener, die schon viele Jahre in Deutschland wohnen, weiterhin gerne in den italienischen Gottesdienst gingen. „Unser Gottesdienst ist sehr lebhaft, es sind immer viele Kinder mit dabei. Don Angelo Ragosta ist temperamentvoll, er kommt aus Neapel.“ Daher werde es bei der Predigt auch manchmal laut. Immer wieder kommt Ragosta auch mit Fragen auf die Gläubigen zu und möchte ihre Meinung während der Messe erfahren. „Die Art des italienischen Gottesdienstes unterscheidet sich von der der deutschen Messen. Die allgemeinen Strukturen sind aber gleich“, erklärt Gallitelli.

Mit Blick auf das Leben in der Gemeinde fallen Unterschiede kaum auf. „Wir bieten Kommunionsunterricht an, haben eine Eltern-Kind-Gruppe, Jugendgottesdienste und natürlich die übliche Seelsorge“, sagt Missions-Sekretärin Caramazza. Wichtig sei der italienischen Gemeinde, den Kontakt zu den benachbarten deutschen Gemeinden zu pflegen. Palmsonntag feiern die Italiener zum Beispiel immer zusammen mit der Pfarrgemeinde von St. Laurentius, Christi Himmelfahrt auf der Trasse in Wichlinghausen gemeinsam mit der Gemeinde St. Johannes Baptist und Fronleichnam wird in Elberfeld und in Barmen zusammen mit den anderen Gemeinden gefeiert. „Wir sind alle katholisch und versuchen, die Katholiken zusammenzubringen“, sagt sie. Das gelinge natürlich besonders gut an großen kirchlichen Feiertagen wie dem Karfreitag, den die katholische italienische Gemeinde im nächsten Jahr mit ihrer 40. Prozession feiern wird.