Wuppertal wird immer bunter

Wir in Wuppertal:Wuppertal wird immer bunter

Menschen aus 160 Nationen leben in Wuppertal Seite an Seite. Und machen das Leben in der Stadt in vielen Bereichen immer bunter. Doch warum funktioniert das Zusammenleben in Wuppertal besser als in anderen Städten? Eine Spurensuche.

Sie kommen aus der Türkei (15.3 Prozent), Syrien (9,8 Prozent), Italien (9,1 Prozent), Griechenland (8,1 Prozent), Polen (7,8 Prozent) und allen Teilen der Welt, doch egal, wo ihre Wurzeln liegen – ihre Heimat ist auch Wuppertal. „Die Zuwanderung hat nicht erst im Jahr 2015 begonnen“, erklärt Hans-Jürgen Lemmer, Leiter des Ressorts Zuwanderung und Integration bei der Stadt Wuppertal. „Bereits im Jahr 2011 haben wir eine Zuwanderungswelle aus europäischen Ländern erlebt.“

Die Bemühungen der Stadt, die Menschen zusammenzuführen sind indes noch älter. Rund 200 Mitarbeiter und Unterstützer kümmern sich um alle Fragen der Integration. Das zeigt Wirkung.

Warum kommen die Menschen nach Wuppertal? „Deutschland ist immer noch eine der stärksten Wirtschaftsnationen“, sagt Hans-Jürgen Lemmer. „Trotz einiger Dellen bietet der Arbeitsmarkt gute Chancen.“ Das spricht sich auch im Ausland herum. Viele Menschen suchen deshalb in Deutschland ihr Glück, hoffen, sich mit gut bezahlter Arbeit einen besseren Lebensstandard sichern zu können als in ihren Heimatländern. Tatsächlich leben nur rund 12 000 Geflüchtete im Tal.

Ein kleines Stück Heimat in der Fremde

Dass die Wahl schlussendlich auf Wuppertal fällt hat meist einfache Gründe. „Oftmals leben bereits Angehörige der Familien hier“, so Lemmer. „Schon vor dem Krieg gab es in Wuppertal zum Beispiel eine große syrische Community von mehr als 1000 Menschen. Viele von ihnen arbeiten in medizinischen Berufen.“ Da scheint es leichter, Fuß in einer fremden Stadt zu fassen, wenn es Menschen gibt, die dort unterstützen können, ein kleines Stück Heimat in der Fremde vermitteln.

Wirtschaftsförderung Wuppental

Etwas, das Hans-Jürgen Lemmer den Immoscout24-Effekt nennt, sorgt ebenfalls dafür, dass sich die Menschen für Wuppertal entscheiden. „Viele anerkannte Flüchtlinge kommen aus anderen Regionen in Deutschland nach Wuppertal. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Vermieter zum Beispiel auf arabisch inserieren.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Städten besteht in Wuppertal kein Mangel an Wohnraum. Private Vermieter sind sehr aufgeschlossen und bieten ihre Wohnungen an.

Die dezentrale Unterbringung spielt der Stadt in die Karten. „Zwei neue Nachbarn machen neugierig“, so Lemmer, „200 machen Angst.“ Die Tatsache, dass es in Wuppertal kaum Notquartiere gab, sorgte dafür, dass sich die Menschen von Anfang an mit den Gepflogenheiten ihrer neuen Heimat auseinandersetzen müssen, aber auch dafür, dass Nachbarn bei der Integration besser unterstützen können.

Hilfe für Neubürger im fremden Bürokratie-Dschungel

Eine weitere Besonderheit in Wuppertal ist das Haus der Integration, das im März 2018 seine Pforten öffnete. Im Haus der Integration befinden sich die Ämter für Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal, das Jobcenter Wuppertal und die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem Integration Point. „Hier werden Angebote gebündelt. Wir setzen auf kurze Wege“, so Lemmer. Egal, ob es um die Wohnungssuche geht, die Sicherung des Lebensunterhaltes, die Vermittlung in Sprachkurse oder den Zugang zum Arbeitsmarkt oder Bildungseinrichtungen – an einer Adresse werden die Angebote gebündelt und erleichtern es den Neubürgern, sich im fremden Bürokratie- Dschungel zurechtzufinden.

In dem 2018 eröffneten Haus der Integration befinden sich die Ämter für Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal, das Jobcenter Wuppertal und die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem Integration Point.
In dem 2018 eröffneten Haus der Integration befinden sich die Ämter für Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal, das Jobcenter Wuppertal und die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem Integration Point.

„Sprache steht hier absolut im Mittelpunkt“, erklärt Hans-Jürgen Lemmer. „Nur mit Sprachkenntnissen können wir in Ausbildung und Beruf vermitteln.“ Rund 3000 Sprachkurse wurden im Haus der Integration bereits angeboten. Dabei kann die Stadt auf eine große ehrenamtliche Unterstützung zählen.

Eine Herausforderung bleibt die Integration so vieler unterschiedlicher Menschen allemal, aber „wir beobachten Auffälligkeiten in Quartieren sehr genau. Wir schauen nicht weg, sondern benennen die Probleme und suchen nach Lösungen.“ Auch hier darf die Stadt auf vielfältige Unterstützung hoffen. „Privatleute, Schulen, soziale Einrichtungen oder Vereine – alle ziehen an einem Strang“, sagt Hans-Jürgen Lemmer. Eine klassische Sozialarbeit gibt es nicht. Vielmehr werden viele kleine Projekte gefördert.

Das Motto: „Gemeinsam im Quartier“

Rund eine Million Euro gibt die Stadt für eine bessere Integration von Neu-Wuppertalern aus. Ziel ist es, auf die Bedingungen in einzelnen Quartieren mit maßgeschneiderten Projekten und Vorhaben einzugehen. „Gemeinsam im Quartier“ heißt das Motto, unter dem Projekte und Angebote für Einheimische und Zugewanderte gefördert werden. Melden können sich institutionelle Träger, aber auch Vereine, Nachbarschaften oder Initiativen. Finanziert werden Honorare und Anschaffungen, Personal- oder Veranstaltungskosten. Zwischen Nachbarschaftsfest und Urban Gardening, Erziehungsberatung, Sprachförderung und Freizeitangeboten ist alles möglich.

Wichtig: Die Projekte sollen den Zusammenhalt im Quartier fördern. Ein Migrationsanteil von rund 40 Prozent wird in Wuppertal nicht als Problem angesehen – „er macht das Leben in allen Bereichen bunter und vielseitiger“, sagt Lemmer.

INFO

Statistik 12 000 geflüchtete Menschen leben in Wuppertal, 70 000 mit ausländischem Pass. Insgesamt sind es aber 140 000 Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind in Wuppertal 40 Prozent der Gesamtbevölkerung, der höchste Anteil in NRW.

Von Wuppertal in die Welt

Jedes zweite hier hergestellte Produkt verlässt Deutschland.

Der Großteil der 190 hiesigen Industriebetriebe sind kleine oder und mittlere Unternehmen mit 21 bis 249 Mitarbeitern. Wie passt das zum Bild eines international erfolgreichen Unternehmens? „Der lokale Mittelstand verdient mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland“, berichtet Dr. Rolf Volmerig von der Wirtschaftsförderung Wuppertal. Viele sind „Hidden Champions“, also wenig bekannte Unternehmen, die in ihrer Branche zu den Marktführern zählen.

Die Exportquote in Wuppertal lag 2018 bei 57,5 Prozent und damit weit über dem NRW-Durchschnitt (44,3 Prozent). Grund dafür sind jene Branchen, die die städtische Wirtschaft ausmachen: chemische Erzeugnisse, Maschinen und Metalle, aber auch Automobile und Automobilteile, elektronische Ausrüstung oder Pharma-Produkte, ferner Metall, Maschinenbau und Textilindustrie. Hinzu kommen Automotive, Health Care, Chemie und IT, die als besonders zukunftsfähig gilt. Wuppertal ist zunehmend Hightech-Standort. Exportschlager: Herberts Industrieglas Unter der Marke Metaglas produziert das Unternehmen extrem druck- und hitzebeständige Schaugläser. Diese werden in großen Anlagen eingebaut und gewähren zum Beispiel einen Blick in das Innere von Schmelzöfen. Sie werden in die ganze Welt versendet. Das Unternehmen hat Vertretungen in den USA, Europa, Asien und Australien.

In der Welt zu Hause: Vorwerk Autotec

Die internationalen Niederlassungen bringen dem Großunternehmen viele Vorteile. Der Spezialist für Fahrwerklager hat Standorte in fünf weiteren Ländern, darunter Mexiko, Indien und China.

Trotz Brexit und dem Handelsstreit zwischen den USA und China sind Wuppertals Unternehmen dank innovativer Kompetenzfelder wie autonomes Fahren oder E-Mobilität auch für die Zukunft gut aufgestellt.